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Kulturgespräch im Mai 2013

«Ich war und bin Brechbühl»

Zum 70. Geburtstag des Schriftstellers und Buchdruckers

13.08.2009
Beat Brechbühl ist 70. Der Schriftsteller und Verleger über Urvertrauen, den Glauben an eine Idee und sein erotisches Verhältnis zu Papier.

Kathrin Zellweger

Letzten Monat feierte Beat Brechbühl seinen 70. Geburtstag. Im Untergeschoss im Eisenwerk Frauenfeld hat er sich in einer Nische ein Büro eingerichtet; auf dem Buchmarkt dagegen besetzt er gleich mehrere Nischen und ist dort gross: Er steht zu seinem Waldgut-Verlag, wo andere aufgeben; er glaubt an haptisch schöne Bücher, wo andere das e-book preisen; er verlegt bedrängte Schriftsteller; er hat ein erotisches Verhältnis zu Papier und ein sinnliches zu Bleibuchstaben, wo die Welt dem Schnellkopierer vertraut. Und dann ist Beat Brechbühl auch noch Autor, von dem man gerne mehr lesen würde.

Beat Brechbühl, wo sind Ihre 70 Jahre hingekommen?
Beat Brechbühl: Das ist eine zünftige Frage, für einen Berner sowieso. Ich bilde mir ein, dass ich diese sieben mal zehn Jahre uneingeschränkt gelebt habe: mit Fahrten in die Höhe und in die Tiefe und mit Geldsorgen, aber auch mit guten Mitarbeitenden und guten Autoren. Die Sorgen braucht man als Ausgleich. Alles zusammen ergab eine gute Lebenstonalität.

Sie mögen es nicht, wenn man Sie fragt, was Sie «noch» machen wollen. Drehen wir die Frage um: Was hält Sie am und im Leben?
Brechbühl: Ich will mich nicht auf zwei, drei Punkte festlegen. Vielleicht ist genau das meine Crux, dass ich zuviel und immer alles will. Ich habe ein Urvertrauen in mich und in die Sachen, die ich mache - die Literatur, mein Atelier; sonst wäre ich vor lauter Geldsorgen schon längst gestorben.

Der Verleger Egon Ammann hat eben angekündigt, dass er seinen Verlag aufgibt. Wie geht es mit Ihrem Verlag weiter?
Brechbühl: Dieser Entscheid hat mich erstaunt und auch bewegt, auch weil zwischen dem Ammann-Verlag und dem Waldgut-Verlag Parallelen bestehen: Beide stehen und fallen mit einer Person. Ich, ich werde nicht aufgeben - vorderhand. Schon seit zehn Jahren versuche ich meinen Verlag und das Atelier Bodoni in andere Hände zu geben. Das wird immer schwieriger.

Sie sind nicht nur Verleger, Sie sind auch Schriftsteller. Wann erscheint Ihr nächstes Werk? Wird es ein Roman über das Altern werden?
Brechbühl: Nein, das Alter ist kein Thema, das ich literarisch verarbeiten muss und will. Mein Roman wird nochmals mit Adolf Dietrich* zu tun haben, den ich diesmal nach Japan mitnehmen will, um ihn dort mit dem virtuosesten japanischen Haiku-Dichter des 17. Jahrhunderts Matsuo Bashô eine zweite Fussreise machen zu lassen.

Die einen sagen, dass Sie nie Zeit haben und mit allem immer in Verzug sind; andere wiederum behaupten genau das Gegenteil.
Brechbühl: Beide haben Recht. Wenn ich von etwas überzeugt bin und mit guten Leuten zusammenarbeiten kann, dann habe ich alle Zeit der Welt. Das Entscheidende in meinem Leben waren immer die Menschen, die mit mir zusammen an eine Idee glaubten. Von ihnen kommt meine Kraft.

Die Frauenfelder Lyriktage, die nächsten Monat zum zehnten Mal stattfinden, gehen auf Ihre Initiative zurück. Wird man Sie dort sehen?
Brechbühl: Nein. Doch darüber möchte ich nicht reden. Das Kapitel ist abgeschlossen und weggeschlossen.

Was soll man dereinst über Sie sagen?
Er war Brechbühl - das reicht. Auf meinen Grabstein steht dann vielleicht mein bestes und kürzestes Liebesgedicht «Silence Intim». Sieben Worte bloss.

* Beat Brechbühl schrieb 1999 die Erzählung «Fussreise mit Adolf Dietrich»

Beat Brechbühl, 1939 in Oppligen BE geboren, Lehre als Schriftsetzer, Redaktor einer Jugendzeitschrift, 1962 erster Gedichtband, Herstellungsleiter beim Diogenes-Verlag, Verlagsleiter beim Berner Zytglogge-Verlag, 1980 Gründung des Waldgut-Verlages. Er hat rund 300 Bücher verlegt und in seinem Atelier über 100 Bodonie-Poesieblätter gedruckt. Initiant der Frauenfelder Lyriktage und der Handpressenmesse. Er ist Autor von mehreren Kinderbüchern, Gedichten, Erzählungen. Er erhielt verschiedene Preise.

Zum Artikel in der NZZ, erschienen am 28.7.09: «Im Bleisatzgebiet» >

Siehe auch:

Interview mit Libelle-Verleger Ekkehard Faude, Lengwil. Tagblatt, 18.8.2009: «Ein viel kleineres Rad gedreht» >

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